Libellen

Hier nun möchten wir Ihnen einige heimische Libellenarten vorstellen und Ihnen die filigranen Sommerboten etwas näher bringen. 

 

Unser Dank gilt dem Libellenexperten und Referenten Bernd Kunz aus Langenburg, der uns freundlicherweise die tollen Bilder, die er selbst fotografiert hat und die Texte zur Verfügung gestellt hat. 


Prachtlibellen

Gebänderte Prachtlibelle (Männchen)
Gebänderte Prachtlibelle (Männchen)

Die Prachtlibellen sind unter den Libellen eine eigene Gruppe: mit ihren meist farbigen und breiten Flügeln fliegen sie schmetterlingsähnlich und sind daher sehr auffällig. Ihr eigentümliches Balzverhalten hat bereits viele Forscher weltweit beschäftigt. Vor etwa 180 Millionen Jahren haben sich die Prachtlibellen von den übrigen Libellen getrennt, dabei sind es weltweit nur 150 Arten, die zu dieser Familie gezählt werden – bei etwa 5500 Libellenarten insgesamt.

 

Unsere Prachtlibellen-Arten in Europa sind noch sehr jung, etwa 2 Millionen Jahre. Auf zwei sichere Arten können wir uns beschränken: Die Gebänderte Prachtlibelle, die an allen größeren Bächen und Flüssen zuhause ist, und die Blauflügel-Prachtlibelle, die kleinere Bäche bevorzugt. Die Unterscheidung der beiden ist bei den Männchen einfach und jeweils im Namen festgelegt: Die Gebänderte Prachtlibelle hat ein blaues Band im Flügel, die Spitze und der Anfangsbereich sind durchsichtig, die Weibchen sind metallisch grün schillernd. Die Blauflügel-Prachtlibelle hat einen ganz dunkelblauen Flügel, das Weibchen hat rauch-braune Flügel und der Körper glänzt matt erdbraun-kupfrig. Der wissenschaftliche Name stammt auch hier wieder aus dem Griechischen und wurde latinisiert: Calopteryxsetzt sich zusammen aus „kalos“, das „schön“ bedeutet, und „pteryx“ = Flügel – also Schön-Flügel.

 

Diese Flügel sind natürlich nicht dazu da, um aufzufallen, was im Tierreich – wo es ums Fressen und Gefressen werden geht – kein wirklich gutes Merkmal wäre. Die Männchen benutzen ihre Flügel auch zur Kommunikation. Zum einen drohen sie damit ihren Rivalen, wobei sie ein Flügelpaar in der Luft stehen lassen und mit dem anderen „auf Sparflamme“ weiter fliegen. Zum anderen vollführen die Prachtlibellen-Männchen einen von Art zu Art unterschiedlichen Werbetanz. Dabei werden alle alle vier Flügel sehr schnell bewegt, so dass ein Schwirren entsteht – zumindest für das menschliche Auge, denn Libellen können Bewegungen wesentlich besser auflösen, als der Mensch. Das Männchen zeigt dem Weibchen mit speziellen Flugstilen auch die Eiablageplätze in seinem Revier. Schwebt es genau über der besten Stelle, biegt es die letzten vier Segmente seines Hinterleibs senkrecht nach oben: Das Weibchen bekommt nun zusätzlich die leuchtend rote (Blauflügel-Prachtlibelle) oder gelbe (Gebänderte Prachtlibelle) Unterseite als „Laterne“ zu sehen. Das Männchen signalisiert dem Weibchen damit: „Hier habe ich für unsere Kinder den besten Platz ausgesucht, damit möglichst viele von Ihnen groß werden. Du kannst deine Eier hier gefahrlos ablegen“. Oft genug tut das Weibchen dies dann auch. Sind zuviele Männchen am Gewässer, die das Weibchen bei der Eiablage stören könnten, taucht es einfach unter und legt die Eier unter Wasser ab. Die Luftschicht, die dabei das ganze Tier mit Ausnahme der Beine umgibt, reicht für bis zu zwei Stunden Atemluft. Zusätzlich verhindert diese Luftschicht ein Benetzen der Flügel mit Wasser, so dass sich die Weibchen nach Ende der Eiablage einfach an die Wasseroberfläche ploppen lassen, meist den Schwung der Aufwärtsbewegung so ausnutzend, das sie direkt in den Flug übergehen können.

 

Wer große und breite Flügel besitzt, wie die Prachtlibellen, muss ein geschickter Flieger sein. Tatsächlich können Prachtlibellen perfekt manövrieren. In Panama zupft eine Prachtlibelle Spinnen aus dem Netz – ohne dabei mit den Flügeln in das Netz zu geraten. Flugtechnisch eine Meisterleistung. Eine Blauflügel-Prachtlibelle wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera dabei gefilmt (sehen können wir das ja nicht), wie sie mit nur anderthalb Flügelschlägen eine Richtungsänderung um 300° bewerkstelligte. Dieses Manöver dauerte nur eine fünfzehntel Sekunde. Aber nicht nur das: Durch die große Flügelfläche in Relation zum (geringen) Körpergewicht können Prachtlibellen sehr stark beschleunigen. Dagegen ist der schnellste Sportwagen der Welt eine lahme Ente. Eine halbe Sekunde nach dem Start hätten Prachtlibellen bereits 100 km/h drauf, wenn sie Ihre Startgeschwindigkeit so lange beibehalten könnten. Doch der mit der Geschwindigkeit zunehmende Luftwiderstand bremst die nur 20 mg leichten Prachtlibellen ab 5 m/s (18 km/h) aus. Die wesentlich schwereren Großlibellen kommen dagegen auf 15 m/s Höchstgeschwindigkeit (54 km/h).