Schöne neue Art

Gesucht: unbekannte Erzwespen auf unserer Gemarkung

Stielaugenwespe Axima sidi
Stielaugenwespe Axima sidi


Weltweit sind 22.000 Arten dieser Insektenfamilie erforscht beziehungsweise lediglich erfasst und die Existenz von ca. 478.000 weiteren Arten wird momentan noch von der Wissenschaft gemutmasst. Man tappt also in wissenschaftlichen Kreisen erzwespenmässig ziemlich im Dunkeln. Das muss nicht so bleiben. Wir vom NABU/NAJU wollen Abhilfe schaffen. Als Freunde der Forschung und Wissensvermittlung beginnen jetzt der NABU Markgröningen und das Stuttgarter Naturkundemuseum im Rosensteinpark im Fachbereich Insektenkunde (Entomologie) ein gemeinsames Pilotprojekt. Wir erforschen zusammen die Markgröninger Erzwespenszene. Bei dieser wissenschaftlichen Arbeit können sich Kinder und Jugendliche einbringen bis hin zu einem Praktikum in der Entomologie.


Nach der motivierenden Vortragsveranstaltung am 03. Juli 2015 über diese riesige Insektenfamilie (rund 500.000 Arten) mit ihren winzig skurrilen und gleichwohl höchst nützlichen Mitgliedern schreiten wir nun zur Tat. Wir sammeln Planzengallen von Rosen, Eichen, Ahorn, Buchen u.s.w. und beobachten, was damit passiert. Die Ergebnisse werden wir der Entomologie des Naturkundemuseums überbringen. Wir werden Protokolle anfertigen von den Fundbedingungen und den weiteren Entwicklungen der Gallen.


In einem privaten Weinberg haben wir eine selektive, große Insektenfalle aufgestellt. Aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen an diesem Ort – trocken und heiß – rechnen wir mit einer reichen Ausbeute, die wir regelmäßig dem Rosensteinmuseum zukommen lassen. Einige geeignete engmaschige Fangnetze werden und noch ausgehändigt, sodass wir auch im freien Gelände auf die Jagd nach den, in der biologischen Schädlingsbekämpfung höchst wirksamen Insekten, suchen können. Waidmannsheil NABU/NAJU!


Das Resümee des Referenten Dr. Lars Krogmann, dem wir die Initiative zu verdanken haben, lautete am Ende des Vortragsabends (am 03. Juli) über die parasitoide Erzwespe (die Larven der Erzwespe entwickeln sich im Körper von Insektennachwuchs): „Ohne sie gäbe es keine Pflanzen mehr auf der Welt.“ Einige begeisterte Jugendliche fragten dem Referenten schier Löcher in den Bauch, worauf dieser stets geduldig, humorvoll und mit einfachen Worten antwortete. Dies ohne seinen Faden zu verlieren. RESPEKT, Herr Dr. Krogmann.


Ein Doktorand aus den Entomologischen Abteilung des Rosensteinmuseums war ebenfalls anwesend. Er brachte sein Forschungsinteresse an den skandinavischen Erzwespen ein. Eine sehr aussergewöhnliche Veranstaltung die eher Spezialisten und wissenschaftlich ausgerichtete Gemüter anlockte als die „breite Masse“ der Naturschützer. Leider verblasste der Enthusiasmus der beteiligten Jugendlichen ein wenig weil Hitze und Schulstress dringend im Freibad weggespült werden müssen und Freundschaften ja auch gepflegt werden wollen.... Aber es winken ja im Herbst kühlere Zeiten. Bis dahin versorgen erst mal die alten NABU-Trapper die Fallen.


Sollte sich eine neue Erzwespenart in Markgröningen einfinden, werden wir das Ereignis sofort gebührend an die große Glocke hängen. Geplant sind für diesen Fall eine Preisverleihung, ein Interview mit der Finderin bzw. dem Finder für die Zeitung und unsere Homepage sowie eine Insektenfeier mit „Naturschutzdisko“. Und der Clou: Das unbekannte Insekt wird den Namen seines Finders bzw. seiner Finderin tragen und unter diesem Namen zu finden sein in den internationalen Datenbanken der Wissenschaft.


Bei Interesse (alter egal) bitte melden: 07147 – 27 02 54.


Bildergalerie: Erzwespen gesucht